Deutsche Unternehmen verschlafen die (digitale) Zukunft. Oder anders gesagt, deutsche Unternehmen sind zu gesättigt für die Digitale Transformation! So lautet zumindest mein Fazit aus gut 7 Jahren intensiver Zusammenarbeit mit Unternehmen unterschiedlichster Größen und Branchen. Während die Plattformökonomie alle Märkte und Industrien umkrempelt, sind laut einer aktuellen BITKOM Studie noch über 50% der befragten Unternehmenslenker völlig unwissend über dieses Thema. Klar, AirBnB, facebook, Google, Amazon kennen alle. Aber was es eigentlich heißt, erfolgreich ein Plattform-Geschäft aufzubauen und zu betreiben, dass wissen nur die Unternehmen die Plattformen als Teil ihrer Strategie verstehen.

In Deutschland ist das vorherrschende Verständnis von Plattformen immer noch sehr technologisch. Quasi der „modulare Querbaukasten“ mit dem Effizienzgewinne bei der Entwicklung von ähnlichen Produkten erzielt werden können. Oder es sind IT-Plattformen wie ein SAP System, was über Jahre ins Unternehmen eingeführt wird, um Unternehmensprozesse zu optimieren. Aber kaum jemand versteht Plattformen als Geschäftsmodell wie bspw. Marktplätze, wodurch Unternehmen Angebot und Nachfrage zusammenbringen und somit zum Orchestrator des Marktes werden.

Spricht man mit den Geschäftsführern, dann entsteht sehr schnell ein Verständnis für Plattform-Geschäftsmodelle, doch Ihnen fehlt oft der Anreiz. Die Auftragsbücher sind meist proppevoll und für die kommenden Jahre ausgebucht. Warum also jetzt investieren? Klar, man hört ab und zu von Plattformen auch in der eigenen Branche, auch B2B, aber so richtigen Druck verspürt man nicht.

Und genau diese Situation bezeichnet der amerikanische Professor Clayton Christensen als „Innovators Dilemma“. Gesättigte Unternehmen fokussieren sich auf die Optimierung ihrer Prozesse und Margen, während kleine Schnellboote in Nischenmärkten neue Geschäftsmodelle aufbauen und Erfahrungen sammeln. Am Ende werden aus diesen Schnellbooten die neuen dominierenden Unternehmen unserer Zeit.

Und die Situation wird noch dramatischer. Schauen wir auf die aktuellen Trends, so werden in den kommenden Jahren digitale Ökosysteme entstehen, die es schaffen verschiedenste Services für den Endkunden unter einem Schirm zu bündeln – übergreifend wohlgemerkt. Entweder werden die großen Plattformen zu Über-Plattformen, sogenannten Plattform-Holdings oder aber Unternehmen schaffen es sich zu verbünden. So wie es aktuell Mercedes und BMW im Bereich Mobilitäts-Ökosystem tun. Hier werden Startups der beiden Konzerne unter einer Marke gebündelt und zusammengeführt, immer mit dem Ziel dem Verbraucher eine reibungslose Customer Experience zu bieten.

Verstehen Sie meine Zeilen als Weckruf. Wer sich jetzt nicht intensiv mit dem Thema Plattformökonomie und digitalen Ökosystemen beschäftigt, der wird die Transformation nicht überstehen. Es droht wie im wahren Leben der Stillstand und die Verdrängung.

Doch es gibt Hoffnung: Jim Hagemann-Snabe beispielsweise. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens und Maersk versteht die größte Aufgabe der Unternehmenslenker darin, „aus einer Position der Stärke sein Geschäftsmodell und Leadership neu zu erfinden“. Beide Unternehmen sind u.a. auch dabei Plattform-Geschäftsmodelle aufzubauen.

Wie Sie es schaffen können, darauf werden wir in Teil 2 eingehen und Beispiele deutscher Hidden-Champions aufzeigen, die nicht erstarren, sondern aktiv Märkte gestalten.

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